Datenerhebung - ethische und moralische Hinterfragung

Datenerhebung - ethische und moralische Hinterfragung

Die Daten, die jeder einzelne von uns täglich als digitale Spuren im Internet hinterlässt, häufen sich mit der Zeit zu immer größeren Datenbergen an. Wenn bedacht wird, welche Mengen an persönlichen Fotos und Daten alleine in sozialen Netzwerken von den Usern gepostet werden, dann sollte hinterfragt werden, was mit diesen Daten geschieht und vor allem, wie diese Daten genutzt werden. Im Vordergrund dieser Datenauswertungen steht natürlich die Werbung. All die geposteten Beiträge, Likes und Fotos dienen den sozialen Netzwerken dazu, maßgeschneiderte Werbung für den User auszuliefern. Und das ist den meisten Usern auch bewusst. Spätestens dann, wenn man mal kurz nach einem neuen Sommerkleid in einer Suchmaschine gesucht hat und dann ein paar Minuten später für genau dieses Kleid Werbung auf dem eigenen Stream des Social Media Kontos erscheint. Denn gerade die persönlichen Daten der User sind für die Werbeindustrie Gold wert, da zielgerichtete Werbung viel effektiver ist, als zum Beispiel eine Anzeige in einer Tageszeitung.

Zum Problem werden die Daten, wenn sie in die falschen Hände gelangen und dann damit andere Zwecke, als nur die zielgerichtete Anzeigenschaltung verfolgt wird. Ein gutes Beispiel hierfür war der Wahlkampf in den USA, bei dem Metadaten genutzt wurden, um den potentiellen Wählern zielgenau die passenden Anzeigen zu schalten. Und dies auf Basis der Angaben, die die User selbst gepostet haben. Ein mögliches Beispiel mal kurz erläutert:

Henry ist ein 34 Jahre alter weißer Mann aus den Südstaaten der USA. Er ist nicht verheiratet und geht einem geregelten Job nach, bei dem er gerade so viel Geld verdient um sich ein halbwegs ordentliches Leben zu finanzieren. Er mag gerne Wrestling, Rockmusik und Rollenspiele im Internet. All dies sind die Informationen, die er auf seinem Profil in den eigenen öffentlichen Profildaten angegeben hat. Zudem hat er auffällig viele Likes an rechte und ausländerfeindliche Posts verteilt. Zu der Wahl hat er sich bis jetzt nicht geäußert, weil er nicht gerade politisch motiviert ist und eigentlich nie zur Wahl geht. Auch das wird aus seinen Posts ersichtlich.

Nun kommt die zielgerichtete Werbung ins Spiel. Die Partei, welche eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen will und Migranten eher nicht gut gesonnen ist, kauft bei der Social Media Plattform zielgerichtete Werbung ein, die genau auf solche Wähler mit Henrys Präferenzen abzielt. Es werden Anzeigen eingeblendet, bei denen Henry zwangsläufig genauer hinschaut, da sie genau seine Ängste und seinen Hass bedienen. Und somit wird Henry diesmal genug motiviert sein, um das Kreuz auf dem Stimmzettel an der Stelle der werbenden Partei zu machen. Diesmal wird Henry nämlich wählen gehen!

Klar – auch dies ist nur eine Form der Werbung. Vordergründig ist dies ethisch und moralisch noch vertretbar. Oder doch nicht? Kann es auch sein, dass diese Art der Werbung schon Manipulation darstellt? Grundsätzlich ist Werbung ja immer manipulativ, aber wo zieht man hier eine Grenze? Wenn man dieses Beispiel weiterdenkt, kann man gut nachvollziehen, warum Staaten wie Russland ganze Trollfarmen aufbauen, um die Stimmung im Internet mit zielgerichteten Kommentaren zu beeinflussen. Die Menschen sind Herdentiere – wenn nur genug Leute eine Meinung laut vertreten, dann ist die Versuchung groß, diese Meinung auch als seine eigene zu adaptieren. Und das macht die Gefahr so groß. Anhand dieses Gedankenspiels sollte man sich vielleicht in Zukunft einmal mehr Fragen, ob die Daten, die man im Internet preisgibt, wirklich notwendig und sinnvoll sind.

Weitere Informationen erhalten Sie beim BVDW Leitfaden Mensch, Moral, Maschine